Lebensphilosophie: Stoizismus

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    • Lebensphilosophie: Stoizismus

      Da ich mich aktuell mit dem Thema Stoizismus beschäftige und es hier noch keinen Thread dazu gibt, wollte ich gerne mal ein bisschen darüber erzählen.

      Kennt ihr auch solche Menschen, die sich ständig über etwas aufregen, jammern und sich nur beschweren, statt etwas zu ändern oder die Dinge (auf die man keinen Einfluss hat) einfach hinzunehmen wie sie sind?

      Jenen kann ich nur empfehlen sich mal mit der folgenden Philosophie zu beschäftigen.


      Was ist Stoizismus (und wo hat er seinen Ursprung)?

      Dazu gibt es ein kurzes Video in Youtube, allerdings auf Englisch.


      Im Grunde genommen soll der Stoizismus ein Weg zu einem glückseligerem Leben sein - übrigens zeitlos, immer aktuell.
      Statt einer idealen Weltvorstellung, versuchen die Stoiker mit der Welt so klar zu kommen, wie sie ist, während sie gleichzeitig versuchen durch grundlegende Tugenden sich selbst beständig weiter zu entwickeln.

      Es gibt drei große Kernaspekte…

      Physik -> Befassung mit dem Kosmos und allen Dingen im Kosmos

      Logik -> die auf Erkenntnis, Erklärung und Beweisführung gerichtet ist

      Ethik -> die sich mit dem menschlichen Leben beschäftigt und das Zentrum der stoischen Philosophie bildet


      …und vier Tugenden, die in dieser Philosophie gelehrt werden:

      Weisheit -> Fähigkeit, komplexe Situationen mit Logik und in einem informierten, ruhigen Verhalten zu meistern

      Mäßigkeit (oder: Selbstkontrolle) -> Übung, gezügelt und mäßig in allen Lebensbereichen zu sein

      Rechtschaffenheit -> Andere fair zu behandeln, selbst wenn sie Falsches getan haben

      Mut (oder: Tapferkeit) -> Nicht nur in außergewöhnlichen Situationen, sondern sich auch den Herausforderungen des täglichen Lebens mit Klarheit und rechtschaffen zu stellen


      Daher auch das Wort „stoisch“ - sagt man, wenn jemand selbst unter großem Druck Ruhe und Gelassenheit bewahrt und emotionale Extreme vermeidet.


      Ich selbst beschäftige mich zur Zeit näher mit dieser Philosophie, dennoch möchte ich meine eigenen Gedanken noch nicht hierzu beitragen.
      Stattdessen frage ich euch:
      Was haltet ihr vom Stoizismus? Habt ihr euch schon einmal mit diesem Thema befasst oder gar Erfahrung damit gemacht? Denkt ihr, eine stoische Einstellung führe tatsächlich zu einem besseren Leben?

      Btw: Es gibt übrigens einige Parallelen zwischen dem Stoizismus und dem Orden der Jedi ;)
      [SIZE=7]*Ein paar Textpassagen wurden aus Wikipedia entnommen.[/SIZE]
      "...Open your Eyes..."


      Face of Knowledge & Truth | Face of Freedom & Rebellion | Face of Illusion & Void

      Der Metkönig | Der Schleimkönig | Clan Cantharis
    • Ich habe schonmal vom Stoizismus gehört und kann auch nachvollziehen, dass es helfen kann.

      Im Kern finde ich die Aussage auch nicht verkehrt, dass man Dinge hinnehmen sollte, welche man nicht ändern kann.
      Allerdings führt das meiner Meinung nach dazu, dass man auch bei Dingen, welche man ändern könnte sagt: Joa das nehme ich so hin. Und das fände ich dann sehr schade, weil jeder Mensch die Chance hat Dinge zu verändern (klar gibt es hier Ausnahmen der Physik und Logik).

      Ich bin der Meinung man sollte immer das Beste aus dem machen, was man hat.
      Also im Grunde sollte man mit dem zufrieden sein was man erreicht hat, der Wunsch nach immer mehr führt oft zu Stress.
      Das sollte aber keineswegs heißen, dass man seine Träume nicht verfolgen sollte, aber man sollte sich selbst auch immer vor Augen halten, was man schon geschafft hat.

      Die Kernaspekte und Tugenden sind meiner Meinung nach gut und nachvollziehbar, ich glaube da werden auch nur die wenigsten widersprechen.
      Manchmal verliert man, machmal gewinnen die Anderen.
      Meine Sammlung (nicht aktuell, wächst aber immer): Consoleprofiler
    • Ich meine mal sowohl in Sophies Welt, als auch in meinem Buch zur Philosophiegeschichte einiges über den Stoizismus gelesen zu haben. Grundsätzlich finde ich nicht verkehrt sich die Prinzipien und Tugenden dieser Philosophie anzuschauen und sich damit zu beschäftigen. Ich habe dabei immer das Gefühl es finden sich viele Ansätze dieser Philosophie auch in folgendem Gelassenheitsgebet:

      Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
      den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
      und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.


      An sich stimme ich Karl zu, dass man eben zu schnell urteilen kann, und Dinge, die sich verändern lassen, hinnimmt im Glauben, dass sie unveränderlich sind. Ansonsten sehe ich den Stoizismus irgendwie nicht wirklich als Lebensphilosophie, da die wesentlichen Aspekte irgendwo sehr offensichtlich sind. Dass Tugenden wie Weisheit, Mäßigkeit, Rechtschaffenheit und Mut etwas gutes sind, da muss man wohl kaum lange drüber streiten, dass der Stoizismus der einzige Weg ist, diese Tugenden zu verwirklichen und zu leben, glaube ich nicht. Spannend finde ich hier, dass die fernöstlichen Religionen/Philosophien, wie etwa der Daoismus oder der Buddhismus viele der Ansichten, die in den stoischen Ansätzen zu finden sind, beinhalten bzw. auf eigene Weise entdeckt haben. Tatsächlich lassen sich für mich viele Verbindungen zwischen dem Logos der Stoiker und dem Dao der Daoisten finden.

      Was mich am Stoizismus stört ist die Entfernung von Grunderfahrungen. Mir scheint es immer so, als sei dieses Konzept schon fern von Erlebnissen, Sinnlichkeiten, Leid, Freude, auf eine gewisse Form von Enthaltsamkeit gerichtet, die Gefühle verwirft und eben das »Jammern« und »Beschweren«, das sich aus solchen Gefühlen speist, herabwürdigt. Das gehört für mich auch dazu, zum großen Ganzen, was die Stoiker ja erkennen möchten. Nur glaube ich kollidieren hier für mich zwei Dinge. Einerseits sind wir schon Teil des großen Ganzen, andererseits können wir das große Ganze nie wirklich erkennen und kratzen nur an Teilbereichen herum. Auch die Einordnung in das große Ganze halte ich hier als schwierig, denn das wirkt mir dann doch zu schicksalhaft.

      Ein Beispiel: Wenn ich an das große Ganze glaube ist mein Teil doch überall. Wo könnte ich mich einordnen, wenn doch alles dazugehört? Dann ist letztlich alles richtig, denn ich kann ja immer irgendetwas verändern. Und nur weil mir jemand sagt, das Jammern nicht hilft, hilft vielleicht gerade mir das, Zuwendung zu bekommen, die ich eigentlich bräuchte, und zack, schon habe ich etwas geändert, vielleicht noch nicht dass, was ich ändern wollte, aber die Welt ist schon wieder durch meinen Einfluss anders als vorher.

      Dinge, auf die man gar keinen Einfluss hat, sind für mich auch viel zu abstrakt. Allein durch seine Wahrnehmung kann man die Dinge um sich herum verändern. Nur weil man leichter ausrechnen kann, dass die Erde sich um die Sonne dreht, kann ich trotzdem noch den Lauf der Sonne um die Erde beobachten, wahrnehmen und somit auf die Welt, wie sie sich mir zeigt, Einfluss nehmen. Genauso stoßen wir in der Physik und Logik an ganz einfache Grenzen, die einerseits so abstrus in ihrer Konsequenz sind oder bisher einfach noch nicht gelöst werden konnten, dass unser Weltbild hier keine Klarheit besitzt beziehungsweise in Spannung zu unserer Lebenserfahrung steht.

      Alles in Allem finde ich den Stoizismus interessant in seinem historischen Kontext, wo man genauso die Ansichten der Kyniker, der Epikureer, die Philosophien von Socrates, Platon und Aristoteles aber auch der Vorsokratiker neben dieser mit in seine Überlegungen einbeziehen sollte. Denn nur im historischen Kontext versteht man, was konkret mit den Begriffen bzw. den Anschauungen gemeint ist. Die Zeitlosigkeit der einzelnen Philosophie ist hier auch kein Alleinstellungsmerkmal sondern war ja gerade das Ziel der philosophischen Betätigung der Antike: allgemein gültige, zeitlose Antworten auf die großen Menschheitsfragen zu geben. Und das so etwas funktioniert, bezweifel ich ohnehin.