Beneiden Tiere uns Menschen?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Beneiden Tiere uns Menschen?

      Ich nehme an, jeder kennt dieses typische Motiv, das auch in der Kunst immer wieder auftaucht: Man sieht einen Vogel und wünscht sich, man könnte ebenso unbeschwert und frei durch die Lüfte fliegen. Natürlich heißt das noch lange nicht, dass man tatsächlich ein Vogel oder gegebenenfalls ein anderes Tier oder fiktionale Kreatur sein will, einfach weil das Leben als Mensch doch ganz nett ist, wenn man genauer darüber nachdenkt. Aber so Manches macht einen halt doch hin und wieder neidisch und das ist auch völlig normal.

      So, nun kam mir soeben der Gedanke: Kann es sein, dass es Tieren vielleicht genau umgekehrt geht? Gerade wenn man mit einem vergleichsweise intelligenten Tier zusammenlebt, sei es ein Hund, eine Katze, oder ein Papagei, ist es dann nicht denkbar, dass dieses sich schon einmal gedacht hat: „Boah, so coolen Scheiß würde ich auch gerne können“? Und wenn ja, wann und wie oft kommt das vor?
      Offensichtlich kann keiner von uns die Gedanken seiner tierischen Zeitgenossen lesen, ebenso lassen sich derlei komplexe Gedankengänge auch nur schwer indirekt feststellen, weshalb ich denke, dass diese Thematik vor allem spekulativer Natur bleibt und kein eindeutiges Ergebnis ermittelt werden kann. Dennoch, interessant ist sie allemal, auch aufgrund der Rückschlüsse, die unsere Ansichten auf unser Weltbild ermöglichen und darüber, wie sehr oder wenig wir andere Lebensformen vermenschlichen. Also nur keine Scheu, falsche Antworten gibt es hier nicht.
      Was meint ihr?

      Rentiere rentieren sich nicht.
    • Eine ungewöhnliche Frage (im Vergleich zu vielen anderen Diskussionsthemen), aber durchaus eine, über die es sich nachzudenken lohnt.
      Ich als Katzenbesitzerin habe zumindest oft den Eindruck, dass diese (auch vergleichsweise intelligenten und feinfühligen) Tiere durchaus eine komplexe Gefühlswelt besitzen, die sich in Freude, Angst, Zuneigung, Abneigung, Wohlbefinden, Neugier, Scheu, Neid, Eifersucht und vielen weiteren Nuancen äußern kann.
      Neidisch habe ich unsere Kleine schon öfters mal erlebt, wobei sich der Neid viel mehr auf Futter bezieht, oder auf eine Unzufriedenheit darüber, dass ich, oder auch mein Freund irgendwo hingehen, wo sie nicht mit kann. (Neuerdings fängt sich auch an zu meckern, wenn wir uns küssen, wobei wir uns nicht sicher sind, ob sie einfach die Geräusche kommentieren will, oder tatsächlich eifersüchtig ist x'D ). Sind wir aber zum Beispiel auf dem Balkon oder im Hausflur werden die Augen schnell ganz groß und hinter der verschlossenen Tür ertönt weinerliches Klagen.
      Die Frage, die sich mir dann aber stellt, ist die, ob die Außerung schlicht ist:

      1) "Manno, ich will auch/ warum lasst ihr mich hier drin?"

      oder tatsächlich

      2) "Boah cool, ich würde auch gerne eine Tür öffnen können, weil Türenöffnen total dope ist."

      Das ist jetzt ein simples Beispiel, zeigt jedoch einen deutlichen Unterschied in der Äußerung des Wunsches und der Komplexität des Bedürfnisses auf. Nämlich schlicht "wollen" oder "können wollen". Man könnte weiter überlegen und sich fragen, ob die Katze auch gerne Geld verdienen würde, damit sie sich selbst geileres Futter kaufen kann, ob sie gerne meine Socken tragen würde, ob sie gerne Kochen könnte, oder Staubsaugen, oder Matheaufgaben lösen.
      Ich persönlich denke aber, dass letztere Beispiele, bzw. oben genanntes Beispiel Zwei eher weniger zutrifft. Es gibt ja durchaus Katzen, die tatsächlich lernen, auf eine Türklinke zu springen, wenn sie diese unbedingt öffnen wollen. Aber da habe ich den Eindruck, dass die erstrebte Fähigkeit eher Mittel zum Zweck ist, und sie eher dem Bedürfnis und dem Ziel folgen, auf die andere Seite zu gelangen, als dass sie sich denken: "Boah spitze, jetzt kann ich endlich Türen öffnen und hab richtig was drauf" xD

      Dementsprechend: Ja, ich glaube Tiere können uns Menschen durchaus beneiden, allerdings sehe ich diesen Neid eher auf Futter, Freiraum u./o. Zuneigung und ähnliches bezogen, als konkret darauf, dass sie einfach gerne dieselben Skills hätten wie wir.
      Entweder also dass, oder sie sind in Wahrheit tatsächlich ultra neidisch und könnten gerne alles was wir können, sind aber trotzdem irgendwie zu dumm, um das auch in die Tat umzusetzen. (Erinnert mich übrigens an das Video Cats with Thumbs, falls sich das jemand reinziehen will.)
    • Ich find die Frage an sich ja schon sehr lustig. Zum einen weil es mich an mein Philosophie Seminar von ehedem erinnert, das das Thema "Können Tiere denken" ziemlich kontrovers aufgefasst hat. (wen es interessiert: Ja, Tiere können sehr viel mehr, als wir bisher wissen. Nur weil wir sie nicht verstehen, heißt es ja nicht, dass sie nicht reden / denken / Welteroberungspläne schmieden können)

      Wirklich 'neidisch' hab ich bisher kein Tier erlebt. Denn ich glaube das Gefühl 'Neid' ist Tieren ziemlich unbekannt, da es so wie ich es verstehe voraussetzt das man 1. den Gedanken in sich hat "jemand hat etwas, das eigentlich mir zusteht" und 2. "der, der es mir wegnimmt hat es nicht verdient". Als bloßer Hierarchiegedanke ist das sicherlich nicht unmöglich (finde das Beispiel von Ora mit der 'eifersüchtigen' Katze, die vielleicht nicht gern ihre Streicheleinheiten teilt, da ganz passend) aber was dann bei uns Menschen aus dieser Emotion folgt - den Konkurrenten übertrumpfen, das gewünschte Objekt aneignen oder zerstören etwa - macht finde ich bei Tieren mit seinem Bewertungsdenken nur wenig Sinn.

      Es bedeutet ja an sich eine Unzufriedenheit zu erleben, also zu erleben "etwas ist nicht so, wie es sein soll". Und ich vermute, dass Tiere sehr viel achtsamer und 'im jetzt' leben als wir, also ziemlich gefeiht sind, vor sowas wie Neid.

      Ich glaube genau das haben Tiere uns vorau: Sie sind eben nicht griesgrämig, schlecht gelaunt oder unbefriedigt weil sie sich selbst als begrenzt in ihren Fähigkeiten wahrnehmen. Da könnten wir eher mal was von ihnen lernen, glaub ich.

      Die Frage selbst würde ich daher auch als eher vermenschlicht betrachten. Weil ich keinem Tier das menschliche Gefühl des 'Neids' aufdrücken würde.


      Wenn man jetzt die Frage "Habt ihr mal ein Tier gesehen, dass auch so einen coolen Scheiß wie wir Menschen machen wollte", also losgelöst von der Frage nach 'weil sie voll neidisch auf uns sind', dann ist die Antwort allerdings: Ja. Und meistens machen sie es auch, wenn der Wille stark genug ist und sie eben auch genug Bock dazu haben und eben auch die nötigen Fähigkeiten dafür besitzen. :D

      Die Katze meiner Schwester konnte Wasserhähne aufdrehen, Türklinken runterdrücken (die wir dann alle nach oben geschraubt haben, weil keiner auf dem Klo gern von Minitigern überfallen wird). Ich glaube ja, dass wir Menschen genau wie Tiere Grundbedürfnisse haben, bei Kiara waren das damals vielleicht einfach nur 'will dazugehören und nicht von meinen Dosenöffnern getrennt sein' oder 'es ist viel bequemer und lustiger jederzeit kaltes Wasser aus dem Hahn zu schlabbern, als betteln zu gehen'.

      Ich denke allerdings, wie gesagt, dass Tiere uns sehr viel voraus haben. Ein (Haus)tier, dem es an Abwechslung fehlt, wird allerdings sicherlich manchmal auf die Idee kommen uns Riesen nachzuahmen.
    • Also, wir hatten mal einen Hund. Sein Name war Zeus und hatte auch häufig den Spitznamen "Eifersuchtel" (im schönsten Schwäbisch xD). Tatsächlich konnte er es gar nicht leiden, wenn jemand was hatte und er nicht. Hat man zum Beispiel mit der Katze geschmust, war es nicht selten der Fall, dass er zu einem kam und den Kopf zwischen einen geschoben hat, so unter dem Motto "Ich will auch, streichel mich, ich bin ein guter Junge".

      Ein anderes Beispiel wäre aber auch Futter. Hunde sind ja eigentlich Allesfresser, d.h. die vertragen auch Gemüse. Zeus war da nicht anders, nur mochte er halt nicht alles. Grünzeug hat er zum Beispiel liegen lassen. Witzigerweise aber hat man das Grünzeug der Katze hingeworfen (die ist es auch nicht gefressen hat, weil, ist 'ne Katze), kam nur kurz darauf der Hund wieder an, hat die Katze vertrieben und das Grünzeug gefressen. Selbst wenn er es wenige Augenblicke vorher ebenfalls liegen gelassen hat und die Katze nur neugierig dran geschnuppert hat. Streng unter dem Motto: "Bevor es die Katze frisst, fress ich es selber".

      Übrigens hat er auch ein Bettelverhalten an den Tag gelegt. Saß man beim Frühstück, hockte er daneben oder unterm Tisch und hat einem den Kopf auf den Schoß gelegt. Sonst hat er aber nicht viel gemacht, ich weiß allerdings von anderen Hunden, dass die auch sehr schnell noch aufdringlicher werden oder gleich direkt auf den Tisch springen können.

      Mit diesen ganzen Beobachtungen kann man schon den Eindruck gewinnen, dass er definitiv sowas wie Eifersucht oder Neid empfunden hat. Wie die Gefühlswelt bei Tieren da aber aussieht, kann man als Mensch nur leider schwer einschätzen. Tiere können bestimmten Zusammenhänge begreifen und Assoziationen herstellen. Hunden kann man ja Kommandos beibringen, indem man sie für erwünschtes Verhalten mit Leckerlis belohnt. Das Tier kann also auch unterscheiden, was gut für ihn und was schlecht für ihn ist. Futter zu bekommen ist gut. Das Futter von der Katze weggefressen zu bekommen ist schlecht. Am Kopf gekrault zu werden ist gut. Wenn die Katze am Kopf gekrault wird, ist das schlecht, weil man selbst ja nicht gekrault wird. Was wir also als "Neid" sehen, ist also eher sowas wie eine Reaktion auf die Realisation des Tieres, dass es benachteiligt wird. Dementsprechend führt das Tier dann Handlungen durch, die (nach Erfahrungswerten) dazu beitragen, dass man nicht mehr benachteiligt wird. Beispielsweise sich dem Herrchen aufdrängeln, dann bekommt man auch Flauscheeinheiten, oder die Katze verscheuchen, dann kann man es selber fressen.

      So gesehen ist Neid bei Menschen ja auch nichts anderes und entsteht ja aus dem Gefühl heraus, selbst benachteiligt zu sein. Bei uns Menschen sind die Zusammenhänge nur komplexer. Tiere machen sich wahrscheinlich nicht viel aus Prestige und Geld, dafür sind ihre sozialen Dynamiken nicht umfassend genug. Allerdings ist der Unterschied zwischen Geld und Grünzeug nicht so gewaltig groß. (Geld kann auch grün sein. Get it? Egal...) Auf den Erfolg eines anderen oder sein Geld neidisch zu sein, ist nicht so viel anders, als wenn die Katze Grünzeug hat und der Hund nicht.
      Diese Signatur ist zu klein, um alle meine Charaktere zu verlinken.
    • Ich glaube, dass Tiere durch ihre Einfachheit nicht beneiden. Immerhin sind wir Menschen gut darin, uns selbst zu zerstören, uns wegen einem "unsichtbaren Freund" zu kloppen oder einfach aus Gier anderen zu schaden. Gut, der letzte Punkt trifft auf manche Tiere auch zu, aber nicht so extrem wie bei unserer Spezies.
      Vorallem Haustiere dürften uns da glaube ich nicht beneiden, bekommen (fast) immer Aufmerksamkeit, wenn sie die wollen, bekommen ihr Essen und können sich ausruhen wann sie wollen. Wir passen uns sogar ihnen an, was ihre Sitzungen angeht xD