Red Flags und falsche Darstellung von Romantik in den Medien

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    • Red Flags und falsche Darstellung von Romantik in den Medien

      Red Flags und falsche Darstellung von Romantik
      in den Medien


      Ich weiß nicht genau ob das der richtige Titel für dieses Thema ist, aber es hat mich erstaunt, dass es zu diesem Thema noch keinen Thread gab. Kurzum geht es um die falsche Darstellung von Romantik in Hollywood (und Disneyfilmen). Aber auch der Umgang mit anderen Medien wie bspw. Germanys Next Topmodel wo im Laufe der Jahre immer mehr unschöne Dinge ans Licht kamen. Doch um da nicht zu sehr mit den Themen durcheinander zu kommen möchte ich natürlich erst Mal den Begriff selbst wieder erklären:

      Das Wort kann eigentlich sogar wortwörtlich als "Rote Fahne" übersetzt werden. Und bedeutet Gefahr. Was eigentlich eher bei Wetterfahnen eingesetzt wird. Allerdings hat sich der Begriff immer mehr durchgesetzt und wird auch oft bei missbräuchlichen Beziehungen und Warnzeichen in den sozialen Medien benutzt. Zumindest bin ich da zum ersten Mal über diesen Begriff gestolpert. Obwohl dieser auch in anderen menschlichen Beziehungen verwendet werden kann. Und ich denke uns ist allen klar, dass vor einigen Jahren es noch eine sehr schwierige Darstellung von Mann und Frau in Filmen (und anderen Medien) gab. Doch leider gibt es auch heutzutage noch Medien die diese immer noch verharmlosen oder sogar verherrlichen.

      Das beste Beispiel dazu ist wohl 365 Days wo es darum geht, dass ein Mafia Mitglied eine Frau entführt und diese dazu nötigt sich in ihn zu verlieben. Dazu hat sie ein Jahr Zeit. Was einfach an sich total merkwürdig und abstrakt klingt wird auf Apps wie TikTok richtig zelebriert gefeiert von jüngeren Zuschauern. Dasselbe Probleme gibt es natürlich auch bei Filmen wie Twilight, Fifty Shades of Grey oder die After-Reihe. Es gibt mittlerweile sicher noch mehr von diesen eindeutig nicht romantischen Filmen. Doch trotzdem werden sie geschaut und auch gefeiert. Natürlich heißt der Konsum dieser Filme (ich oute mich hier Mal) nicht gleich, dass man selber so eine ungesunde Denkweise hat. Hab ich selber einer dieser Reihen (nein, nicht 365 Days) in meiner Bücher- und Filmesammlung. Dennoch finde ich es gut wenn Aufklärung bei diesem Thema stattfindet.

      Ich glaube den ersten Kontakt den wir bei diesem Thema hatten war bei den Disneyfilmen. Nicht alle davon sind jetzt unbedingt "schlecht", aber gerade die früheren Disneyfilme waren ja von Sexismus geprägt. Da galt es am Mann die Frau von der bösen Hexe zu befreien. Oder Arielle opferte ihre Stimme für einen Mann. Was heutzutage teilweise auch schon besser umgesetzt wird. Wenn man daran denkt, dass Elsa keinen Mann braucht um glücklich zu sein. Oder in Merida. Wo der Hauptcharakter unabhängig sein möchte. Auch positiv hervorzuheben ist der Charakter aus Sing der sich sogar aus einer toxischen Beziehung befreit wo der Partner der Partnerin den Erfolg nicht gönnt. Das sind nur ein paar der Beispiele.

      Leider war das nicht immer so und obwohl wir es nicht gerne wahrhaben wollen beeinflussen uns Medien. Ob bewusst oder unterbewusst spielen sie immer eine Rolle in unserem Leben. Zwar wird heutzutage auch schon mit nachhaltiger, queerer Werbung beworben, aber viele davon sind auch noch von Klischees geprägt und einen richtigen Fortschritt sieht man nur in kleinen Schritten. Manches davon wirkt auch eher sehr gewasht (Die Firme lebt nicht danach. Sondern wirbt nur damit um sich reinzuwaschen und Kunden anzulocken).

      Eine positive Wende ist, dass wir alle nicht mehr vom Fernsehkonsum abhängig sind. Oder zumindest der Teil der Fernsehkonsumenten immer geringer wird und die sozialen Medien immer präsenter werden. Dies hat Vor- und Nachteile, aber zumindest wird den heutigen TV Shows auch mehr Druck gemacht sich zu ändern. Ob dies nun gut oder schlecht ist sei Mal dahingestellt. Doch man merkt wie viel Einfluss man eigentlich als Konsument und Zuschauer hat.

      Ich bin froh, dass auch die männliche Seite mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit bekommt. Hier möchte ich vor allem auf ein Video verweisen was diese Thematik gut anspricht:

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      Mich würde aber interessieren wie ihr zu dem Thema steht? Habt ihr euch schon Mal damit beschäftigt und habt ihr vielleicht noch ein paar Beispiele die euch zu dieser Thematik einfallen? Ich freue mich über einen regen Austausch.

      Außerdem noch ein paar Video Empfehlungen zu diesem Thema:

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von MelinaFluff ()

    • Ich muss sagen, mir widerstrebt diese Denkweise. Aus zweierlei Gesichtspunkten.

      Ich will damit nicht sagen, dass Filme oder Fiktion allgemein die Realität nicht verzerren. Alles mögliche wird "falsch" und unrealistisch dargestellt, das beginnt bei Actionszenen, geht über natürliches menschliches Verhalten und macht zweifellos auch bei Romantik nicht halt.
      Aber das ist ok, wir lieben diese Lügen. Wir geben gutes Geld aus, um uns darin zu verlieren, um unser Verlangen nach irgendeiner Fantasterei zu erfüllen. Die Welt vor Ganon retten, Abenteuer zu erleben, oder in irgendeiner sexuellen Fantasie zu schwelgen, was auch immer uns gerade umtreibt. Und wenn es vorbei ist, dann geht das reale Leben weiter und wir sind um Erfahrungen und Erinnerungen reicher.

      Um diese Trennung zwischen Realitat und Fiktion zu gewährleisten, gibt es Altersbeschränkungen. So werden junge Menschen vor Einflüssen bewahrt, die sie noch nicht richtig einordnen können.
      Doch sobald man erwachsen ist, muss das eigenverantwortlich geschehen. Es wird zurecht erwartet, dass man Fifty Shades of Gray nicht als Musterbeispiel für eine gute Beziehung aufnimmt, genauso wenig, wie man Stunts aus einem Avengers Film nachahmt.
      Natürlich gibt es immer erwachsene Menschen, die können das nicht, aus welchem Grund auch immer. Menschen, die mit fiktionale Geschehnissen nicht klar kommen. Menschen, die nach einem Horrorfilm nächtelang wachliegen, oder sich durch ein verzerrtes Bild von Romantik das Liebesleben ruinieren.
      Es klingt vielleicht zynisch, aber diese Menschen haben meines Erachtens einfach Pech gehabt. So ist das in allen möglichen Bereichen des Lebens. Alkohol, Zigarretten und Glücksspiel werden nicht verboten, auch wenn manche Menschen sehr empfindlich auf Suchtpotentiale reagieren und daran sprichwörtlich zugrundegehen. Selbiges gilt auch für Sensibilität gegenüber fiktionalen Ereignissen. Herr der Ringe braucht nicht auf krasse Riesenspinnen verzichten, nur weil manche Menschen Arachnophobie haben. Fiktionsschreiber sollten ihre Fantasien nicht zügeln, nur weil zart besaitete Menschen negativ darauf reagieren. Ich halte von kitschigen Möchtegernromanzen ja auch nicht viel, aber wem sie gefallen, der soll sie aus vollen Zügen genießen dürfen.
      So viel zum erstem Gesichtspunkt.


      Der zweite Gesichtspunkt, der mir heutzutage sehr oft auffällt und arg widerstrebt ist der, dass fiktionalen Werken eine Art repräsentative Verantwortung angelastet wird.

      "Fifty Shades of Gray stellt BDSM im falschen Licht dar."
      "Serie X hat zu wenig ethnische oder sexuelle Vielfalt."
      "Film Y stellt diese oder jene Minderheit zu stereotypisch dar."
      Oder, wie in den aufgeführten Beispielen (rein von den Titelbildern abgeleitet, mir fehlt die Zeit und die Muße, sie anzusehen):
      "Big Bang Theory propagiert schlechten Umgang mit Frauen."
      "Harrison Ford propagiert in seinen Rollen schlechten sexuellen Umgang"
      "Twilight vermittelt ein verzerrtes Bild von Romantik."

      Was mich an solchen Behauptungen so stört ist, dass Fiktionale Werke eben in der Regel nicht als Musterbeispiel für Vorbildliches Verhalten vorgesehen sind. Genauso wenig sind sie dafür da, irgendwelche realen Gegebenheiten statistisch repräsentativ abzubilden.

      Twilight ist eine Geschichte über eine spezielle Beziehung zwischen zwei Individuen, nicht das Musterbeispiel für alle Beziehungen überhaupt.
      Harrison Fords Charaktere sind Einzelpersonen, die spezielle Dinge tun, die nicht zur Verallgemeinerung gedacht sind.
      Big Bang Theory zeigt eine bestimmte Freundesgruppe mit besonderen Dynamiken, nicht einen Querschnitt der allgemeinen Bevölkerung.
      Ein stereotypisch ethnischer Charakter in Film Y ist eine Einzelperson mit besonderen Eigenheiten und nicht der Stellvertreter für seine Gruppe.
      Die Besetzung von Serie X ist nicht als Durchschnitt der allgemeinen Bevölkerung ausgelegt.
      Fifty Shades of Gray zeigt, wie Twilight auch, die besondere Beziehung zwischen zwei Charakteren. Wie andere das handhaben, spielt keine Rolle.

      Ich hoffe, es wird klar, was ich meine. Mir scheint, als würde das Verständnis von Individualismus heutzutage vielerorts fehlen. Charaktere werden nicht mehr als einzeln wahrgenommen, sondern gleich als Symbol für alles mögliche. Leute können es oftmals nicht ertragen, wenn eine Figur, die ihrer Hautfarbe, ihrem Geschlecht oder ihrer Sexualität entspricht, eine schlechte Figur macht. Sie übertragen das direkt auf sich, fühlen sich angegriffen, anstatt den Verstand zu besitzen, dass es sich um ein einzelnes Szenario in einer fiktionalen Welt handelt, das nicht mit ihnen in Verbindung steht. Mich stört das sehr, ich sehe in diesem Gruppendenken eine rückschrittliche Tendenz im Bewusstsein der Menschheit.

      Rentiere rentieren sich nicht.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nusma ()

    • Also ich bin auch kein Freund dieser "Woke"-Bewegung.
      Ich bin selbst jemand der immer wieder Dinge hinterfragt und an sich selbst versucht zu arbeiten. Immer wenn ich etwas neues lerne, was man nicht mehr sagen sollte, oder was irgendwie für mich einen blöden Beigeschmack hat dann versuche ich mich da anzupassen.

      Aber ich finde @Nusma hat in vielen Punkten Recht. Man muss nicht jedes fiktive Werk als Spiegel der Gesellschaft oder als Anleitung für eben diese sehen.

      Ein negatives Beispielt will ich da direkt nennen:
      How I met your Mother war für mich eine echt tolle Serie, auch wenn ich jetzt im Nachhinein vieles einfach nur dumm und nicht mehr lustig finde. Man ändert sich ja auch mit der Zeit.
      Gerade diese Serie hat gezeigt wie "gefährlich" sowas sein kann. Alleine ich kenne etliche Leute die diesen bescheuerten "Bro Code" ernst genommen haben. Ich fand das anfangs auch lustig, aber wenn man genau drüber nachdenkt ist es halt einfach sexistischer Mist.

      Wenn ein Film, wie zum Beispiel die Hostel oder Saw Filme das Töten von Menschen feiert heißt das ja nicht, dass die Zuschauer das dann übernehmen.
      Wenn ich in einem Spiel Menschen erschieße, oder wie in Manhunt sogar schlimmer töte, bedeutet das nicht, dass ich es danach auch im echten Leben mache.

      Würde ich Filme, Spiele, Bücher oder andere Unterhaltungsmedien herstellen würde würde ich vermutlich auch auf einiges achten, aber bestimmt andere Dinge übersehen oder absichtlich so darstellen um die Konsumenten entweder zum Denken zu bewegen oder eben eine bestimmte Situation/Erfahrung zu erzeugen.
      Ich will jetzt nicht zu viel spoilern, aber spielt mal wenn ihr Zeit, Lust und die passende Hardware besitzt Last of Us Part 2, das habe ich jetzt am letzten Wochenende beendet und man kann sich sehr lange Zeit nicht mit der Protagonistin identifizieren und vieles an ihr stört, aber das macht dieses Spiel eben aus.

      Wichtig ist hierbei meiner Meinung nach die Medienkompetenz und die ist leider bei einigen Menschen nicht ausreichend gegeben.


      @Edith ist gerade noch was eingefallen:
      Ich find Diversität wichtitg.
      Ich kann nachvollziehen, dass "Randgruppen" (dummes Wort, mein Gehirn findet gerade kein anderes) sich nicht repräsentiert fühlen.
      Sexismus ist kacke.

      Aber diese 3 Dinge kann man eben nicht mit dem Hammer in Menschen reinhämmern, das muss durch Erziehung passieren.

      Ach und mir fallen immer mehr Dinge ein die ich schreiben will. Aber alle führen zum selben Punkt:
      Ich verstehe den Ansatz, aber ich bin der Meinung dass nicht jedes kleine oder große Stück Medium muss auf Biegen und Brechen alles beachten.
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    • Ich glaube, ich möchte das nicht ganz so stehen lassen. Ich stimme Nusma zwar zu, dass wir zwischen Realität und Fiktion trennen müssen und uns davor hüten, einzelne Charaktere oder Szenen verallgemeinern zu wollen.
      Aber dennoch hat Fiktion einen starken Vorbildcharakter, der unsere reale Lebenswelt prägt und aus dem wir lernen. Das heißt nicht, dass jeder Film nun nur noch pädagogisch wertvolle Liebesszenen haben darf. Aber ich halte es dennoch für wichtig, darüber zu sprechen. Viele Menschen sind sich der problematischen Darstellung von Beziehungen, Sexismus, Rassismus, etc. in Filmen nämlich gar nicht bewusst. Und wenn dieses Bewusstsein fehlt, kann man nur sehr schwer zwischen Realität und Fiktion trennen und Ungerechtigkeit und Diskriminierung wird gefestigt und reproduziert.
      Ich würde also sagen, bevor wir jetzt mit der Schere alles, was uns nicht passt aus Filmen rausschneiden, müssen wir unsere Wahrnehmung auf diese Werke verändern. Wenn Nusma und Hyro bereits soweit sind, dass sie problematische (also zum Beispiel sexistische) Szenen in Filmen automatisch hinterfragen ist das ja super und begrüßenswert. Aber das trifft definitiv nicht auf alle Leute zu, die Filme und Serien konsumieren. Je mehr Bewusstsein dafür geschaffen wird, desto mehr wird sich aber auch in den Filmen verändern, und dass Leute Forderungen an Filme stellen ist nur ein „Symptom“ dieser bereits stattfindenden Entwicklung. Wir wollen Filme sehen, die uns unterhalten und dafür müssen sie eben auch mit unserer eigenen Lebenswelt und Normvorstellung vereinbar sein (oft finden wir ja zum Beispiel sehr alte Filme komisch oder Filme aus stark anderen Kulturen (ich kann zum Beispiel mit Bollywood nicht so viel anfangen, weil ich mich damit nicht identifizieren kann)).
      Ich bin also durchaus der Meinung, dass das ein Thema ist, über dass es sich zu reden lohnt, ohne gleich mit Rotstift durch jeden Film zu gehen, der die eigenen ethischen Kriterien nicht zu 100% erfüllt. Aber da Filme sich durchaus auf unsere Normvorstellungen auswirken, vor allem, wenn wir für die dargestellten Konzepte an sich kein Bewusstsein haben, ist es sinnvoll, Themen wie Romantik in Filmen hin und wieder auf die Probe zu stellen. Und wenn wir das tun, werden sich Filme auch verändern, als simple Folge von Nachfrage für Filme, die auf bestimmte Tropen verzichten.

      Edith: Ich hab erst jetzt Karls Beitrag gesehen, weil ich glaub ich meinen währenddessen verfasst habe. Aber ich bin voll froh, dass du das How I met your Mother-Beispiel gebracht hast, das hatte ich nämlich auch die ganze Zeit im Kopf. Als ich die Serie früher geguckt habe, habe ich den Charakter Barney total glorifiziert. Erst im Rückblick ist mir klar geworden, dass das ganze Konzept seines Charakters total frauenfeindlich ist. Ich hab mich seitdem sehr stark verändert, was mein Bewusstsein für Sexismus betrifft, was aber eben auch sehr stark daran liegt, dass sich der Diskurs verändert hat. Barney ist ja mit Absicht so geschrieben, dass man ihn irgendwie cool findet. Wenn man sein Verhalten nicht mit Absicht hinterfragt, dann kann man durchaus den Eindruck bekommen, dass seine Coolness auf seinen Umgang mit Frauen zurückzuführen ist (was die Serie vielleicht sogar auch vermitteln will). Das hat dann nichts mit einer Trennung von Realität und Fiktion zu tun, sondern mit dem Hinterfragen der eigenen Reaktionen auf bestimmte Konzepte, egal ob diese in der Realität oder der Fiktion verortet sind. Und ich bin überzeugt, dass nicht jeder dazu in der Lage ist, solange wir nicht darüber sprechen. Daher: ich finde es gut, dass es zu diesem Austausch hier kommt und man sich nicht direkt vor "Moralisierung" oder so verschließt.


      Eine Crew ist wie eine Familie.
      - Fay the White

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Laura ()

    • @Laura hat eigentlich das, was ich mir gestern, als ich das Thema vor'm Zubettgehen noch durchgelesen habe, gedacht habe, ziemlich gut auf den Punkt gebracht.
      Ich persönlich finde es schwierig, alles zu moralisieren und, wie es so schön formuliert wurde, mit dem Rotstift durch alle Medien zu gehen. Genauso schwierig finde ich es aber auch, alles auf die Eigenverantwortung des Konsumenten zu schieben. Es ist schön, wenn es genug aufgeklärte, progressive und reflektierte Menschen dort draußen gibt, die in der Lage sind, Fiktion von Wirklichkeit zu trennen und die dargestellten Rollen und Verhaltensweisen kritisch zu hinterfragen. Es gibt aber auch genug Menschen da draußen, die nicht derartige Medienkompetenz mitbringen und das trifft auch, aber nicht nur, auf die jüngeren Mitglieder unserer Gesellschaft zu. Deswegen ist es wichtig, einen Diskurs darüber zu schaffen, was an manchen dargestellten Verhaltensweisen problematisch sein könnte, ohne gleich alles zu verteufeln, was einer "amoralischen" Darstellung entspricht. Es ist immer noch eine Fiktion, in der es um Individuen geht, die nicht perfekt sind. Und nur weil eine Person Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen hat, die problematisch sind, heißt das nicht, dass sie gleich eine schlechte Person ist. Das ist von Fall zu Fall zu unterscheiden - ist ja im wahren Leben nicht anders.

      Medien sind nicht nur ein Spiegel der Gesellschaft und auch nicht nur ein Rollenbild - die Beziehung zwischen Medien und Menschen ist wechselseitig. Natürlich stellen Medien das dar, was Leute sehen wollen und orientieren sich dabei an dem, was in der Gesellschaft vorhanden ist: Rollenbilder, Stereotypen, Tropes, etc.. Medien sind ein Geschäft und sie machen den größten Profit, wenn sie dem Verbraucher das geben, was wir haben wollen. Aber was wollen wir als Verbraucher überhaupt haben? Natürlich orientieren wir uns daran, was wir vorgesetzt bekommen, aber man muss das ja nicht immer so hinnehmen. Wenn wir uns als Gesellschaft weiterentwickeln und Stereotype aus dem Weg schaffen wollen, dann gehört es auch dazu, das was uns gezeigt wird, zu hinterfragen und ggf. zu kritisieren, um Hollywood und co. klar zu machen, wir wollen Rollenbild XY nicht mehr sehen, weil es nicht mehr unserem Zeitgeist entspricht. Was soll uns denn der Spiegel zeigen, wenn wir ihm nicht vorhalten, was er uns zeigen soll?
      Und man muss auch mal festhalten - diese gegenseitige Wechselbeziehung und die Entwicklung, die dadurch stattfindet, ist nicht erst seit gestern so. Die Gesellschaft hat sich schon immer verändert und mit ihr die Medien, die sie gezeigt bekommen. Niemand würde heute mehr einen Film produzieren mit dem Rollenbild der 50er Jahre und ernsthaft erwarten, damit einschlägigen Erfolg zu haben, weil das heute keiner mehr sehen will, denn wir haben uns mittlerweile davon weg bewegt. Früher war es undenkbar, dass eine starke Frau die Protagonistin einer Geschichte ist, heute ist es vollkommen normal und sehr erwünscht. Die "woke Bewegung" ist kein Phänomen der Neuzeit - eine Veränderung von Medien und Gesellschaft hat immer stattgefunden und wird immer stattfinden.
      »Ein Gelehrter in einem Laboratorium ist nicht nur ein Techniker,
      er steht auch vor den Naturvorgängen wie ein Kind vor einer Märchenwelt.«


      ~ Marie Curie
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      Laura schrieb:

      Aber dennoch hat Fiktion einen starken Vorbildcharakter, der unsere reale Lebenswelt prägt und aus dem wir lernen.
      Ist das denn erwiesen?
      Ich muss hier nämlich direkt an ein wohlbekanntes Thema denken: Die Jahrzehnte alte Diskussion um "Killerspiele". Mein letzter Stand ist nämlich, dass Killerspiele nicht Schuld sind an Amokläufen und in Spielern keine Aggressionen auslösen, ganz im Gegenteil. Das wurde vielfach wissenschaftlich untersucht, ohne, dass etwas dergleichen nachgewiesen werden konnte.

      Diese alte Diskussion um Killerspiele ist mit der hier geführten Diskussion in meinen Augen insofern verwandt, dass auch hier Leute etwas sehen, was ihnen nicht gefällt und das direkt als schädlichen Einfluss auf Kinder, die Gesellschaft, oder was auch immer abstempeln, ohne überhaupt zu wissen, ob es diesen Einfluss überhaupt in nennenswertem Maße hat.

      Deshalb wiederholt die Frage: Sind diese negativen Einflüsse, die hier angeprangert werden, denn erwiesenermaßen real? Hat How I met your mother wirklich die Gesellschaft frauenfeindlicher gemacht? Ich habe daran meine Zweifel. Ich sehe hier vielmehr ein ähnliches Schreckgespenst zu dem der Killerspiele.

      Und da so viele sich vor diesem Gespenst fürchten, wirkt sich das natürlich auf Filme aus, die ja auch den Marktdynamiken unterliegen. Nur was, wenn es doch nur ein Wahn ist?

      Dazu sei gesagt, dass es hier nicht nur darum geht, dass aus der Zeit gekommene Tropen weniger Beachtung finden und derlei Medien deshalb auf organische Weise vom Markt verschwinden. Vielmehr ist der soziale Umgang, durch Social Media befeuert, zu einem übersensiblen Gezeter von disproportionaler Lautheit verkommen. Leute ignorieren Medien, die nicht ihren Idealen entsprechen nicht bloß, sondern es kommt zu aktiver Beeinflussung, legitimiert als Mittel zum noblen Zweck, gegen die vermeintliche gesellschaftliche Verrohung anzukämpfen. Künstler zu belästigen ist nicht die feine Art, aber man tut es ja für ein höheres Gut. Niemand kommt auf die Idee, dass das höhere Gut bullshit sein könnte.

      Ich sehe das sehr kritisch, wie sich hoffentlich herauslesen lässt.

      Rentiere rentieren sich nicht.
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      Nusma schrieb:

      Vielmehr ist der soziale Umgang, durch Social Media befeuert, zu einem übersensiblen Gezeter von disproportionaler Lautheit verkommen. Leute ignorieren Medien, die nicht ihren Idealen entsprechen nicht bloß, sondern es kommt zu aktiver Beeinflussung, legitimiert als Mittel zum noblen Zweck, gegen die vermeintliche gesellschaftliche Verrohung anzukämpfen. Künstler zu belästigen ist nicht die feine Art, aber man tut es ja für ein höheres Gut. Niemand kommt auf die Idee, dass das höhere Gut bullshit sein könnte.
      Ungefähr das wollte ich auch sagen, mit einem großen ABER:

      Ich finde es generell gut sich darüber Gedanken zu machen und sich auszutauschen.
      Mein größtes Problem damit ist nur meistens die Umsetzung.
      Also ich bin auf jeden Fall dafür, dass man Dinge in Filmen hinterfragt, aber dabei sollte man nicht nur darauf eingehen ob man etwas doof findet sondern sich nebenbei die Frage stellen, wieso das eben in diesem Film so dargestellt wird. Gibt es eine Agenda, wie sie zum Beispiel bei J.K. Rowling nachgesagt (was ich sogar nachvollziehen kann) wird, oder ist die Entscheidung bewusst getroffen um die Geschichte zu erählen?

      Was ich immer schwierig finde ist die Fackel/Mistgabel Mentalität die im Internet leider sehr zugenommen hat.
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    • Was das angeht bin ich natürlich auch der Auffassung, dass man da nicht mit Mistgabeln an das Ganze rangehen sollte, aber ich finde es ist eine durchaus positive Veränderung in der Gesellschaft zu sehen die nicht mehr alles als gegeben hinnimmt. Und wie man in manchen Beiträgen ja auch heraus lesen kann gab es diese Veränderung im Kern der Mediengesellschaft schon immer. Jedoch gab es vorher nie die Möglichkeit so offen darüber zu reden, wodurch es vielleicht auch den Eindruck erweckt, dass es heutzutage mehr angesprochen wird als bspw. vor der Zeit des Internets. Die Kommunikationsmöglichkeiten sind einfach mehr gegeben.

      Der Grund warum J.K. Rowling so kritisiert wird liegt einfach an den Dingen die sie auf Twitter postet. Ich selbst sehe mich da auch eher auf der Position von dagilp der die Harry Potter Produkte weiterhin konsumiert, aber auch nicht mehr mit der Ansicht der Autorin klar kommt. Denn das obliegt nicht nur einer Interpretation (wie hier vielleicht angenommen wird) sondern von offensichtlicher Transfeindlichkeit. Die so weit geht, dass sie auch den Transsexuellen ihr eigentliches Geschlecht abspricht. Was ich auch als sehr kritisch sehe da sie auch eine große Machtposition in der Medienlandschaft einnimmt und es leider genug Menschen gibt die ihre Sichtweise auch befürworten.

      Selbst wenn man mit dieser Thematik nur eine Handvoll Menschen anspricht so bin ich dennoch dankbar über dieses Sprachrohr was uns nicht nur die sozialen Medien. Sondern auch das Internet an sich geben. :)

      Ich finde den Vergleich mit den Killerspielen allerdings etwas schwierig. Denn natürlich kann man davon ausgehen, dass nicht jeder der sich so einen Film oder eine Serie ansieht gleich dadurch zum Sexisten wird, aber es gibt durchaus Tendenz die darauf hinweisen wie Menschen zu solchen Taten animiert werden. Da ich aber selbst kein großer Filmkenner bin kann ich da nur auf das Video von Behaind verweisen der sehr gut veranschaulicht hat wie das sich in den letzten Jahren so entwickelt ist. Wer will kann sich das Video dazu gerne Mal ansehen. Ich fand es auf jeden Fall sehr informativ und konnte auch für mich einiges mitnehmen.

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      Karl der Heinz schrieb:

      Ich finde es generell gut sich darüber Gedanken zu machen und sich auszutauschen.
      Mein größtes Problem damit ist nur meistens die Umsetzung.
      Dem stimme ich zu. Leider ist gerade das auch ein Problem von sozialen Medien wie Twitter. Dies obliegt auch der Wort Begrenzung die schneller zu einem raueren Tonfall führt. Man kann einfach keine Diskussion auf so kleinen Raum führen, aber dazu gibt es ja auch Foren wo man sich etwas mehr Zeit für Texte nehmen kann um die verschiedenen Ansichten darüber zu hören.

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      Nusma schrieb:

      Dazu sei gesagt, dass es hier nicht nur darum geht, dass aus der Zeit gekommene Tropen weniger Beachtung finden und derlei Medien deshalb auf organische Weise vom Markt verschwinden. Vielmehr ist der soziale Umgang, durch Social Media befeuert, zu einem übersensiblen Gezeter von disproportionaler Lautheit verkommen. Leute ignorieren Medien, die nicht ihren Idealen entsprechen nicht bloß, sondern es kommt zu aktiver Beeinflussung, legitimiert als Mittel zum noblen Zweck, gegen die vermeintliche gesellschaftliche Verrohung anzukämpfen. Künstler zu belästigen ist nicht die feine Art, aber man tut es ja für ein höheres Gut. Niemand kommt auf die Idee, dass das höhere Gut bullshit sein könnte.
      Also ich gehe auf der Hälfte sogar mit dir mit: Künstler belästigen und diese soweit zu canceln, dass sie keine Möglichkeit mehr haben sich zu äußern ist ein absolutes No Go. Da mir das selber in ähnlicher Form widerfahren ist bin da auch absolut dagegen.

      Allerdings glaube ich nicht daran, dass die meisten jungen Menschen heute zu übersensibel sind. Sondern wir es einfach schlichtweg nicht gewohnt sind wie der Umgang sich verändert hat. Ich finde es ist sogar ein Fortschritt, dass wir Menschen mehr Beachtung schenken die sonst nicht gehört werden. Es findet ein immer offener Umgang mit Randgruppen statt, die in ihrer Kindheit auch Schlimmes erfahren haben. Und gerade in Richtung Feminismus hat sich auch eine Menge getan. Die Mentalität hat sich diesbezüglich einfach geändert.

      Heutzutage achten die Menschen viel mehr darauf wie sie von ihren Mitmenschen behandelt werden. Man sucht sich seine Freunde oder den Partner nicht nur danach aus ob es passt. Sondern auch wie dieser einen behandelt. Darunter fallen auch so Dinge wie Lovebombing, Ghosting, psychischer Missbrauch oder falsche Rollenbilder wie das zwischen Mann und Frau. Natürlich stoßt das auch immer auf viel Gegenwind. Das kommt wahrscheinlich auch daher, dass diese Veränderung sehr schnell stattgefunden hat und unsere Eltern Generation selber noch aus einer Zeit kommt wo lange Zeit das klassische Rollenbild geherrscht hat. Erst seit 1997 ist die Vergewaltigung in der Ehe strafbar. Das ist gerade einmal 25 Jahre her. Die gleichgeschlechtliche Ehe gibt es auch erst seit dem Oktober 2017. Was sogar noch gar nicht so lange her ist wenn man bedenkt, dass die meisten 2000er Kinder heutzutage 22 Jahre alt sind.

      Ich bin auch sehr dankbar, dass das Thema psychische Probleme mehr Anklang in der Gesellschaft findet. Obwohl es auch hier noch eine Menge zu tun gibt. Ist es schließlich immer noch ein Kampf für jeden das mit der Krankenkasse abzuklären damit man selber nicht finanziell dafür aufkommen muss, aber ich will nicht zu sehr abdriften.




      Nein. Es gibt keine nachweislichen Beweise ob die Medien die Wahrnehmung unserer Gesellschaft so beeinflussen. Doch ich glaube zuteilen wird sie diese immer beeinflussen. Egal ob durch Werbung, heutzutage halt auch Influencer (alleine die Schönheits OPs sind in den letzten Jahren unglaublich gestiegen) oder andere gängige Medien.

      Und natürlich freue ich mich über jeden der Fiktion und Realität unterscheiden kann. Leider gilt das auch nicht für jeden und mir sind durchaus schon Menschen begegnet die sich gewisse Helden als Vorbild genommen haben. Damit meine ich nicht, dass sich jemand ein Spiderman Kostüm anzieht (Mal abgesehen von Messen und Events natürlich :wink: ) und die Welt retten will, aber ich glaube der Einfluss ist gerade in jüngeren Zielgruppen da. Obwohl ich dabei auch ältere Zielgruppen nicht ausschließe.

      Ich will mich trotzdem für die rege Beteiligung hier bedanken. Anfangs war auch ich auch zögerlich ob ich so ein kontroverses Thema anspreche, aber es freut mich, dass hier so viele offen dafür sind. :thumbs-up:
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      Nusma schrieb:

      Diese alte Diskussion um Killerspiele ist mit der hier geführten Diskussion in meinen Augen insofern verwandt, dass auch hier Leute etwas sehen, was ihnen nicht gefällt und das direkt als schädlichen Einfluss auf Kinder, die Gesellschaft, oder was auch immer abstempeln, ohne überhaupt zu wissen, ob es diesen Einfluss überhaupt in nennenswertem Maße hat.

      Deshalb wiederholt die Frage: Sind diese negativen Einflüsse, die hier angeprangert werden, denn erwiesenermaßen real? Hat How I met your mother wirklich die Gesellschaft frauenfeindlicher gemacht? Ich habe daran meine Zweifel. Ich sehe hier vielmehr ein ähnliches Schreckgespenst zu dem der Killerspiele.
      Ich finde der Vergleich mit der Killerspiel-Debatte hinkt etwas. Es geht hier nicht darum, dass irgendwer behauptet, die Darstellung von Stereotypen oder fragwürdigen Verhaltensweisen würde selbiges hervorrufen oder gar radikalisieren. Jemand, der einen Shooter spielt, geht nicht gleich los und erschießt Leute im Einkaufszentrum. Und jemand, der Twilight schaut, fängt nicht gleich an, die Liebe seines Lebens zu stalken.
      Es geht eher darum, dass eine gewisse Normalisierung von solchen Dingen gefördert wird. Jeder, der ein Medium konsumiert, fühlt dabei etwas. Ich habe keine konkreten Statistiken und ich wage mal zu behaupten, dass es schwierig ist, den Einfluss eines einzigen Aspekts aussagekräftig zu bemessen, da dabei viele, viele Faktoren eine Rolle spielen. Aber ich unterhalte mich genug mit anderen Leuten, um sagen zu können, dass jeder irgend einen emotionalen Bezug zu bestimmten Medien hat, manche mehr, manche weniger. Seien es nun Videospiele, Filme, Serien, Comics, Musik oder was auch immer. Und Emotionen radikalisieren uns vllt nicht gleich, aber sie beeinflussen unsere Wahrnehmung von der Welt.
      Wenn ich mir eine Teenie-Romanze anschaue und dabei den Typen anschmachte, der die Protagonisten stalkt, ist das eine Sache. Wenn ich dadurch allerdings den Eindruck gewinne, dass übergriffiges Handeln in einer Beziehung normal und romantisch sei, ist das eine andere. Genug Menschen haben die Abstraktionsfähigkeit, an der Stelle eine Grenze zwischen Realität und Fiktion zu ziehen. Vielen anderen fehlt aber diese Medienkompetenz aufgrund mangelnder Erfahrung, des Umfelds, Prädisposition, Einschränkungen usw. Deswegen finde ich es durchaus angebracht, dass diese portraitierte Verhaltensweise als fragwürdig kritisiert wird. Heißt nicht, dass sie gleich verboten werden muss. Und wer danach immer noch Twilight als Popcorn-Kino gerne schauen mag, dem sei das ebenso gegönnt.

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      Nusma schrieb:

      Vielmehr ist der soziale Umgang, durch Social Media befeuert, zu einem übersensiblen Gezeter von disproportionaler Lautheit verkommen. Leute ignorieren Medien, die nicht ihren Idealen entsprechen nicht bloß, sondern es kommt zu aktiver Beeinflussung, legitimiert als Mittel zum noblen Zweck, gegen die vermeintliche gesellschaftliche Verrohung anzukämpfen. Künstler zu belästigen ist nicht die feine Art, aber man tut es ja für ein höheres Gut. Niemand kommt auf die Idee, dass das höhere Gut bullshit sein könnte.
      Ich glaube, wir brauchen uns nicht darüber streiten, dass Cancel Culture auf Social Media ein absoluter Abgrund der Umgangsformen ist, die wir heutzutage miteinander an den Tag legen. Ich finde es aber genau so wichtig festzuhalten, dass der laut krakelende Teil einer Bewegung meistens nicht die repräsentative Mehrheit, sondern eher die den Ruf in den Dreck ziehende Minderheit ist. Ich finde diesen Trend mindestens so bescheiden und kritisierenswert wie alle anderen hier, dennoch sollte man an den radikalsten Ausläufern einer Bewegung nie den eigentlichen Grundgedanken beurteilen. Und der ist ja eigentlich positiv, nämlich gemeinsam an einer progressiveren Gesellschaft zu arbeiten. Sei man sich jetzt darüber einig, wie man das anstellt oder nicht.
      »Ein Gelehrter in einem Laboratorium ist nicht nur ein Techniker,
      er steht auch vor den Naturvorgängen wie ein Kind vor einer Märchenwelt.«


      ~ Marie Curie
    • Ich mag mich auch mal zum Thema hier äußern, denn mir ist vor ein paar Stunden etwas eingefallen, was hier hoffentlich auch den roten Faden des Themas erwischt. c:
      Und zwar soll der neue Film Lightyear in manchen Ländern nicht zu sehen sein (u.a. arabische Staaten). Grund: Eine Kuss-Szene zwischen zwei Frauen. Und jetzt bin ich mal gespannt, ob diese Szene, wenn der Film hier bald gezeigt wird, beibehalten oder heraus geschnitten wird.

      Für mich stellt so eine Kuss Szene zwischen zwei Frauen nämlich kein Drama da - zeigt aber deutlich, dass in vielen Ländern die Beziehung zwischen zwei Personen desselben Geschlechts immer noch hart umstritten oder sogar verpönt ist.
      »Cloaked in folds of midnight waters. Side by side we sons and daughters.
      We set forth for no king's orders but we'll sail together.«

      - Sea of thieves: We shall sail together -
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      Nusma schrieb:

      Ist das denn erwiesen?
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      MelinaFluff schrieb:

      Nein. Es gibt keine nachweislichen Beweise ob die Medien die Wahrnehmung unserer Gesellschaft so beeinflussen.
      I beg to differ. Hab grade kurz ein bisschen Google Scholar durchsucht und es gibt jede Menge theoretische als auch empirische und experiment-basierte Literatur dazu. Um nur ein Beispiel hier einmal einzufügen, das frei zugänglich ist, scheinbar (? ich kenne mich in dieser Literatur komplett gar nicht aus, daher kann ich das nicht besonders gut einschätzen) recht einflussreich war, und für Neugierige auf weitere ähnliche Studien verweist und auch in ähnlichen Studien zitiert wurde: Eine Analyse der Auswirkung der Darstellung von weiblicher sozialer Aggression in High-School Filmen auf weibliche Stereotype. Vielleicht ein bisschen random, aber ich hatte jetzt nicht so viel Zeit, zu suchen und im Kern trifft es, was wir hier diskutieren.

      Warum es bei Beziehungsstereotypen zutrifft und bei Killerspielen weniger, kann ich nur raten. Eine solche Erklärung könnte das von mir oben beschriebene Bewusstsein sein. Wir werden in einer Welt sozialisiert, in der ungefähr die stärkste Norm ist, nicht zu töten. Das haben wir so internalisiert, dass es dem durchschnittlichen Menschen sehr leicht fällt, zwischen romantisierten Vorstellungen von Tötung in Videospielen und der Realität zu unterscheiden. Bei vielen Stereotypen ist die Lage aber ganz anders: wir müssen auch in der Realität noch jeden Tag darum kämpfen, dass Frauen nicht als weniger begabt in Naturwissenschaften, besser im Haushalt und hysterische, komplizierte Geschöpfe, die von Männern kategorisch nicht verstanden werden betrachtet werden. Oder andersrum, dass Männer nicht als Draufgänger, Machos und gefühllos gesehen werden. Diese Normen sind in der Gesellschaft unterschiedlich tief verankert. Wenn wir jetzt in Medien damit konfrontiert werden, hinterfragen wir sie nicht so leicht und automatisch, wie dass man nicht töten darf. Denn sehr vielen Menschen - mich eingeschlossen - mangelt es einfach an Bewusstsein dafür, dass überhaupt etwas dargestellt wird, was problematisch ist (wie z.B. mit HIMYM). Wie soll es uns also gelingen, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden, wenn an den benutzen Konzepten die Grenzen nicht sichtbar sind? Heute ist uns klar, dass das Frauenbild in Filmen aus den 50ern nicht mehr unserem heutigen entspricht. Deswegen fällt es uns leicht, zu sagen, dass die Darstellung auf uns keinen Effekt hat und wir uns bewusst sind, dass Frauen nicht nur eine Rolle als Kindermädchen und Köchin haben. Aber was vielleicht nicht immer so klar ist, ist wann ein Gag diskriminierend ist oder wann eine Beziehung noch romantisch oder schon grenzwertig ist. Auch in der Realität nicht. Und wie gesagt, ich finde es falsch, deshalb jeden Film nur noch unter diesem Filter zu betrachten und alles anzukreiden, was nicht absolut politisch korrekt ist. Aber ich finde es genauso wichtig, darüber zu sprechen, gerade wenn etwas so gehypt wird wie etwa HIMYM oder Twilight.


      Eine Crew ist wie eine Familie.
      - Fay the White
    • Ich hab die Diskussion jetzt nur überflogen, fand sie aber trotzdem ganz interessant. Ich bin leider nicht so cool wie Laura und hab jetzt keine wissenschaftlichen Abhandlungen gelesen, also ist das nur meine leicht falsifizierbare Kopfsülze.

      Generell glaube ich, dass unser Medienkonsum im Allgemeinen auch unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit beeinflusst. Dazu gehört, welche Nachrichten wir jeden Tag hören, mit welchen Menschen wir auf Social Media interagieren und eben auch, welche Filme oder Serien wir schauen und welche Spiele wir spielen.
      Ich bin definitiv der Meinung, dass auch die Darstellung von Romantik unser Bild von Romantik beeinflusst, ebenso wie Werbung das Empfinden für unsere Bedürfnisse und Idealvorstellungen beeinflusst. Ein andere Beispiel wäre da: Wenn ich überall nur schlanke Leute seh, komm ich mir als dicke Person vielleicht eher deplatziert vor.
      Deswegen halte ich es auf der anderen Seite auch nicht für einen Trugschluss, dass die Darstellungen von Romanzen unser Empfinden für Normalität beeinflusst. Man muss aber nicht zwangsläufig schwulenfeindlich sein, nur weil man eine heterosexuelle Beziehung beispielsweise für die Norm hält und eine homosexuelle Beziehung für etwas, was von dieser Norm abweicht (was ja aber nicht heißen muss, dass es deswegen als negativ empfunden wird).

      Natürlich wünscht man sich da dann aber wiederum eine Form der Gleichberechtigung bzw. in dem Fall eher einer "Gleichbehandlung", wenn man so will. Im Endeffekt will man ja trotzdem, dass jede Form von Liebe als normal angesehen wird. Aus dem Grund macht dann natürlich auch der Umkehrschluss Sinn - mehr Repräsentation um eine gewisses Gefühl der Normalität hervorzurufen. Womit wahrscheinlich im Allgemeinen niemand ein richtiges Problem hat, aber die Probleme fangen dann bei der Umsetzung an. Denn wirklich einig ist sich da wirklich niemand, wie man Normalität korrekt darstellt und dabei keine Vorurteile weiter verbreitet oder Neue schafft.

      Meine persönliche Einstellung liegt irgendwo dazwischen. Einerseits ist mir Repräsentation wichtig und zwar jeder Form - sei es im Hinblick von Sexualität, Geschlechteridentitäten, ethnischer Herkunft, you name it. Das hat nicht mal unbedingt einen moralischen Hintergrund, ich finde einfach nur, dass es ein Medium oder Werk interessanter und vielschichtiger machen kann. Das heißt aber nicht unbedingt, dass es in jedem Kontext automatisch richtig umgesetzt wird - grade Männer sind bspw. dafür prädestiniert Frauen falsch abzubilden (witzigerweise hab ich vom Gegenteil eher weniger den Eindruck, mag mich aber irren). Das sind dann auch schnell die Fälle, wo es dann Kritik hageln kann, wenn die Darstellung als nicht zeitgemäß empfunden wird.

      Jetzt muss ich mir da aber manchmal die Frage stellen - ist das unbedingt ein Grund? Klar muss man es deswegen nicht mögen und man darf es auch doof finden. Generell bin ich auch der Meinung, dass alles kritisiert werden kann und Kritik nicht zwangsläufig was Schlechtes ist, solange sie konstruktiv bleibt. Nur driftet Vieles da schnell in ein Schwarz-Weiß denken ab, wo die Gleichung "Repräsentation schlecht = Werk schlecht" aufgestellt wird und da muss ich mich dann unweigerlich fragen, ob man da nicht etwas zu stark versucht zu erzwingen.

      Ich glaube, dass auch schlechte Darstellung von Romantik irgendwo ihre Berechtigung hat. Nicht, weil ich möchte, dass ein falsches Bild kommuniziert wird, sondern weil ich glaube, dass wir alle anfangen sollten Dinge differenzierter zu betrachten. Man macht es sich manchmal zu einfach, indem man sagt: "A ist schlecht, weil die Repräsentation B nicht korrekt ist". A ist nicht unbedingt der einzige Bestandteil von B. A kann abhängig von B kritisiert werden, aber Kritik an B, macht nicht jeden anderen Bestandteil von A invalide. Und die Übung liegt eigentlich darin zu schauen - was wird hier falschgemacht, warum ist ggf. problematisch und kann ich das vielleicht irgendwo auf mich selbst beziehen und davon lernen? Anders ausgedrückt: Welche negativen Einfluss kann etwas auf mich haben, wenn ich es unkritisch betrachte und wie kann ich dem bewusst entgegen steuern?

      Ich glaube, wir erreichen herzlich wenig, wenn wir von allem und jedem Perfektion erwarten. Fehler sind menschlich und grade heutzutage, wo einem vor allem im Internet so unglaublich viel moralische Korrektheit abverlangt wird, ist es quasi unmöglich nicht irgendwo ein Fettnäpfchen mitzunehmen. Ja, Medien beeinflussen uns und unsere Wahrnehmung. Aber wir sind zu kritischem Denken fähig und "fehlerbehaftet" ist nicht unbedingt dasselbe wie "problematisch". Verständnis bringt einen in vielen Fällen weiter als Ablehnung.

      Ich hoffe ich bin jetzt nicht zu weit vom Thema abgekommen und hab mich komplett verrannt...
      SCs
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      NPCs
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    • Hier werden sehr oft populäre Sitcoms als Vergleich rangezogen, und das ist meiner Meinung nach etwas dünnes Eis.

      Sitcoms sind nunmal eine Parodie auf bestimmte Stereotypen. Da gibt es den Frauenheld, den dicken, dummen Familienvater, die sexy Hausfrau, die pubertären Teenies... und, und, und. Nach den ersten zwei Minuten sollte jedem bewusst sein, dass das alles völlig überzeichnet ist und keineswegs ein Leitfaden dafür, wie man selbst sich im realen Leben verhalten sollte.

      Da gibt es jetzt diese drei "Dauerbrenner" im Bereich Sitcom. Ihr wisst, welche ich meine, wir haben sie alle in tausendfacher Dauerschleife auf Pro 7 gesehen. :ugly:

      Fangen wir mit "Two and a half man" an. Charlie Harper lebt den Traum eines jeden Mannes in der Midlife-Crisis. Viel Geld für wenig Arbeit, jede Menge Sex, jeden Tag einen ordentlichen Vollrausch, volles Haar und eine gute Figur. Selbstverständlich gucken sich das sehr junge "Männer" an und denken: "Boah, so will ich auch mal werden!". Aber so wie man erwachsener wird und gewisse Zusammenhänge erfassen kann, merkt man: Charlie Harper ist gar nicht so cool. Er ist ein unliebenswerter Mensch, der selbst kaum Liebe erfährt. Sobald sich eine Frau auf ihn einlässt, lernt sie bald seinen wahren, unverbesserlichen Charakter kennen und läuft ihm davon. Erkenntnis Nummer zwei: Die Fgur des Charlie Harper ist nicht realistisch. Kein Mann über 40, ob wohlhabend oder nicht, bekommt es hin, auf täglicher Basis mit einem gewaltigen Kater zu erwachen und am Abend wieder frisch und munter in der Kneipe zu stehen, um die nächste Frau aufzureissen. Wer versucht, nach diesem Modell zu leben, wird schon weit vor der 40 eine unangenehme Überraschung erleben.

      Dann ist da "How I met your mother". Auch wieder viele Stereotype. Der kein "Nein" akzeptierende Ted, den man heutzutage in die KAtegorie "Nice Guy with a fedora" einordnen würde", die emotional abgebrühte Karrierefrau Robin, das nervige Powerpärchen Lily und Marshall, und - last but not least - der Frauenheld Barney. Der unter anderem Frauen damit verführt, indem er vorgibt, eine zum Leben erwachte Schaufensterpuppe, ein zeitreisender Wissenschaftler oder ein legendärer Extremsportler zu sein. Obwohl er immer in der gleichen Bar verkehrt, trifft er dort jeden Tag auf Frauen, die auf ihn hereinfallen. Und ist damit die mit Abstand beliebteste Figur der Serie.
      Nicht obwohl er so ist, wie er ist, sondern WEIL er es ist. Die Charaktere in HIMYM erinnern mit ihren grotesken Alltagssituation und ihrem Handeln eher an Cartoonfiguren als an reale Menschen. Vor allem Barney Stinson. Im Laufe der Serie werden der Figur nahezu übernatürliche Attribute zugeschrieben. Zum Beispiel dass er sich die Krawatte richtend in eine Kamera blicken kann, obwohl er just in dieser Sekunde einen Kartoffelchip gegessen hat. Man kann diesen Charakter lustig finden, und das darf man auch. Denn im Laufe der Serie entwickelt er immer mehr erwachsene und menschliche Züge. Gerade diese Stimme der Unvernunft und Leichtsinnigkeit erweist sich bald als moralischer Anker innerhalb der fünfköpfigen Gruppe.

      "The Big Bang Theory" ist da ziemlich harmlos. Viele Leute kritisieren, dass Penny als stereotypisches, blondes Dummchen dargestellt wird. Ist sie bei näherer Betrachtung aber nicht. Sie ist witzig, zielstrebig und eine treue Person, die für ihre Freunde stets ein offenes Ohr hat. Und ja, sie ist mindestens durchschnittlich intelligent. Natürlich hinkt sie etwas hinterher, wenn sie mit sechs Wissenschaftlern in einem Raum sitzt und diese über ihre Arbeit diskutieren. Welcher "normale" Mensch, der "nur" über eine Allgemeinbildung verfügt, täte dies aber nicht? Von daher ist es keine allzu unrealistische Entwicklung, dass sie letztendlich in Leonard die Liebe ihres Lebens findet. Schließlich sind es doch die Unterschiede zwischen den beiden, die dazu führen, dass sie sich als Paar perfekt ergänzen. Falls überhaupt ist Penny der nicht ganz so freundliche Part dieser Beziehung, da sie Leonard des öfteren darauf hinweist, dass er eigentlich nicht in ihrer Liga spielt.


      Ich habe mich jetzt mal auf diese drei populären Serien eingeschossen, da man mit Fug und Recht behaupten kann, dass sie eine ganze Generation mehr oder weniger geprägt und ein gewisses Weltbild vermittelt haben. Ich mag alle drei Serien und wollte einfach mal einräumen, dass man sie allesamt sehr wohl mit einem Augenzwinkern statt mit erhobenem Zeigefinger betrachten kann, wenn man ein bisschen hinter die Fassade blickt.
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      Vincent Delacroix schrieb:

      Ich habe mich jetzt mal auf diese drei populären Serien eingeschossen, da man mit Fug und Recht behaupten kann, dass sie eine ganze Generation mehr oder weniger geprägt und ein gewisses Weltbild vermittelt haben. Ich mag alle drei Serien und wollte einfach mal einräumen, dass man sie allesamt sehr wohl mit einem Augenzwinkern statt mit erhobenem Zeigefinger betrachten kann, wenn man ein bisschen hinter die Fassade blickt.
      Ich stimme dir zu und gleichzeitig nicht.

      Ja, man sollte die Serien nicht ernst nehmen. Sitcoms sind immer überzeichnet und übertrieben, was ja auch irgendwo ein fester Bestandteil von Humor und Comedy ist, und dass die nicht die Realität abbilden, ist uns als erwachsenen Zuschauern auch klar. Keiner von uns beiden würde sich einen Barney Stinson ansehen und denken: "So sollte/will ich auch sein."
      Nur, du sagst es ja selber, diese Sitcoms haben unsere Generation geprägt. Den meisten Eindruck machen solche Serien eben nicht auf Erwachsene, sondern auf Jugendliche und Kinder, weil die hier charakterlich noch nicht so gefestigt und "formbarer" sind. Der Humor der von dir aufgezählten Serien basiert ja allgemein auf eher negativen Charakterzügen und Stereotypen, die innerhalb der Serie mit Gelächter zelebriert werden.
      Big Bang Theory ist finde ich hier ein gutes Beispiel, weil die vier Haupt-"Nerds" allesamt Stereotypen sind. Das sieht man in erster Linie bereits an der Art und Weise, wie sie sich kleiden, aber auch in deren Verhalten; die Serie hat ja durchaus viele Pop-Culture Referenzen, ob das jetzt Marvel, DC, Herr der Ringe oder Star Trek ist, und es gibt einige Instanzen, in denen sich die männlichen Charaktere recht sexistisch äußern - was auch hier das Bild des eher "unerfahrenen" und "ungeschickten" Nerds widerspiegelt (grade Howard finde ich da so in Retrospektive echt grenzwertig). Und dem Gesagten wird eine positive Nuance gegeben, indem die Sprüche dann mit einer Lachschleife unterlegt werden.
      Im Übrigen will ich damit auch nicht die Serie an sich kritisieren, sondern eher feststellen. Ich hab die Serie früher als Jugendlicher selber geschaut und geliebt. Damals denkt man über viel, was gesagt wird, einfach nicht nach - heute wäre das wahrscheinlich anders und ich würde beim einem Rewatch wahrscheinlich ziemlich hart cringen, weil einem viele Implikationen eben erst bewusst werden. Selbiges gilt für mich übrigens auch für HIMYM und Two and a Half Men - hab früher beide Serien gemocht.

      Vielleicht ist einem beim Schauen selbst bewusst, dass man die Serie nicht ernstnehmen sollte, allerdings ist es wieder eine andere Frage, was da im Unterbewusstsein eines Teenagers auslöst, der Sympathien zu den Charakteren entwickelt. Grade Barney Stinson macht aufgrund seines selbstbewussten und coolen Auftretens dann halt doch Eindruck, weil man als Jugendlicher doch genauso rüberkommen will - selbstbewusst und cool. Die eher problematischen Züge ignoriert man vielleicht bewusst und unterbewusst, aber ich finde es nicht ausgeschlossen, dass man sich die Denkweise trotzdem aneignen könnte.
      SCs
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    • Soderle, das Thema verfolge ich nun schon eine ganze Weile, habe aber mangels Freizeit bisher noch nicht die Gelegenheit gehabt, meinen Senf aus der Tube zu drücken. Im Wesentlichen wurde eigentlich auch schon alles gesagt und differenziert, was ich ebenso kritsch betrachtet hätte - womit ich nicht sagen will, das Thema sei durch und man braucht nichts mehr dazu sagen.

      Ich glaube, das ist auch der wesentliche Kern des Ganzen - insbesondere wenn es um die Teilaspekte solcher Darstellungen, wie Romantik/Beziehungen, Gleichbehandlung/-berechtigung, Sexismus, Rassismus, Diskriminierung, usw. geht. Solange man noch darüber reden "muss", weil etwas zu kurz kommt oder jemand durch eine Darstellung benachteiligt wird, ist es gut, dass darüber gesprochen wird und dass Misstände aufgezeigt werden, damit sich Dinge bessern können.

      Für mich stellt sich dabei vor allem immer die Frage nach dem Maß und der Perspektive, und das sind zweierlei Dinge, die ich in der heutigen Bewertung und Betrachung von Medien leider manchmal schmerzlich vermisse.

      Heutzutage werden viele Medien - eigentlich ALLE Medien - anhand dessen bewertet, wie woke sie sind, wie korrekt und vorbildlich sie sind, man kann im Grunde gleich eine Checkliste dafür machen. Ich finde es grundsätzlich nicht falsch, solche Dinge zu hinterfragen, ich selbst hinterfrage ständig, was ich da sehe oder lese, ob mir die Darstellung zusagt, und so weiter.
      Vieles davon hat für mich eher auf der handwerklichen Ebene eine Relevanz, spricht: Wie gut ist die Idee/der Ansatz umgesetzt? Und weniger, ob sie alle Ansprüche des Zeitgeists erfüllen, ob sie alles und jeden repräsentieren, etc.

      Wer Inhalte nur für die Quote einbaut, wer Symbole nur um der Symbole willen verwendet, der beschmutzt und verwäscht damit meiner Ansicht nach den Eigenwert des Werkes. Wenn solche Dinge verwendet werden, nur um damit Marketing zu betreiben, finde ich es widerlich, tbh (Ja, Netflix, ich schiele zu dir.) Und damit mag ich durchaus kontrovers denken. Denn es macht ein Werk - egal welcher Art - nicht automatisch besser, wenn es mehr Frauen hat, mehr Diversity, Sexualitäten, Identiäten beinhaltet, auch wenn ich verstehen kann, dass zugleich der Wunsch da ist, dass man - sofern man kein "piviligierter alter, weißer Mann" ist - in seiner repräsentativen Darstellung auch gerne "richtig" dargestellt wird. Doch was am Ende "richtig" ist, ist nochmal ein ganz anderes Thema und auch etwas hochgradig Kulturgeprägtes und Individuelles, und da finde ich es sehr schwer und ebenso fraglich, einfach für andere entscheiden zu wollen, welcher Maßstab gesetzt werden muss. Für mich fing das Ganze damals an, dass ich als junges Mädchen, das nicht blond und blauäugig war und auch kein Freund der Farbe Pink, genervt davon war, dass in jeder Superheldinnenserie (sei es Sailor Moon oder sonstiges), immer die "blonde, pinke Tussi" die Heldin war. Es war immer Barbie und nie Theresa - und sobald ein Mensch anfängt, solcher Muster zu erkennen und zu hinterfragen (und sei es aus bloßem Überdruss) sät sich der Nährboden für Bewusstsein und Reflexion bereits selbst. Doch was für mich wichtig ist, kann einem anderen aus diversen Gründen total egal sein. Meistens, weil er nicht betroffen ist, oder weil es ihm schlicht nicht auffällt. Ich finde es daher ebenfalls keinesfalls einfach, zu sagen, dass Leute, die nicht wie (vermutlich) ein Großteil hier weiß, cis, hetero usw. sind, sich doch bitte mal nicht so anstellen sollen. Es ist ein schwieriges, hochgradig persönliches Thema, deshalb denke ich auch nicht, dass es hier eine pauschale Weisheit gibt. Aber ich habe wie oben genannt ein paar Prinzipien, an denen ich mich gerne orientiere, deshalb dazu mehr.

      Stichwort Perspektive heißt für mich, dass ich Medien im Rahmen ihres Kontexts betrachte - und das bedeutet auch zur berücksichtigen, mit welchen Ansprüchen sie erschaffen wurden, vor allem aber, unter welchen Umständen und zu welcher Zeit. Es gab immer Leute, ob Autoren oder anderweitig Medienschaffende, die waren ihrer Zeit in ihrem Denken voraus. Viele lebten aber im Rahmen ihres Zeitgeists, genau wie wir es heute tun, und wir entwickeln und verändern uns zudem durch gegebene Umstände noch rasanter als je zuvor. Weder, dass man da mitzieht, noch dass man nicht sofort hinterkommt, ist aber ein Verbrechen. Ich finde es teilweise sogar eher verantwortungslos und rüde, dass heute unglaubliche viele Leute erwarten, dass man für alles, was man tut und jeden Piep, den man macht oder veröffentlicht, Rechenschaft ablegen muss - für Dinge, die man damit nie vorhatte.

      Paradebeispiel: Wer heute Tolkien z.B. dafür kritisiert, dass es in Herr der Ringe zu wenig Frauen, Feminismus und Diversity gab, der hat meiner Meinung nach leider übelst einen an der Klatsche und muss seine Prioritäten klären. Natürlich kann man "argumentieren", dass es ein Klassiker ist, der auch heute noch Relevanz hat. Aber gerade weil es ein "altes" Werk ist, kann man ihm nicht einfach auch die Umstände der Zeit vom Leibe reißen, die es eben zu seiner Zeit geprägt haben. Und einen Autor wie Tolkien werden damals eben andere Ansprüche geprägt haben. Überhaupt wird er gar nicht, wie viele Leute heute, auf dem Schirm haben, "was er alles falsch machen könnte", wenn er sein Buch und nun so oder so schreibt.
      Und das finde ich - sowohl auf schaffender als auch handwerklicher Ebene - unglaublich bedrückend und auch einschränkend. Nusma hat es schon gut auf den Punkt gebracht. Insbesondere, wenn es um fiktive Werke geht, sollte zu allererst dem Schaffenden überlassen sein, was er schaffen und ausdrücken will. Er tut es für sich, nicht für andere (wobei es natürlich auch Schaffende mit diesem Anspruch gibt), aber es allen überzustülpen, halte ich für falsch und fast schon kriminalisierend. Der Herr der Ringe bleibt trotz dessen, dass er an heutigen Ansprüchen "versagt", ein handwerklich wundervolles, literarisch wertvolles Werk, das zudem im Kern eine sehr einfühlsame und schöne Botschaft mit sich trägt, wenn man schon den Mehrwert betrachten will.

      Ähnlich "perspektivisch" sehe ich es auch mit Werken wie Fifty Shades of Grey oder sogar den von euch genannten Sitcoms. FSoG wurde von einer Hobbyautorin hingeschmiert, die eine Twilight-FF schreiben wollte und damit aus versehen berühmt geworden ist. Wollte sie damit ein Vorbild sein oder es irgendwem recht machen? Nein, sie wollte einfach ihre unbedarften Smut-Fantasien niederschreiben und hat sie mit anderen geteilt. Lass die Alte ihren Spaß damit haben, sie geht ja nicht hin und zwingt echte Leute in ungesunde Beziehungen.
      Dass das später einen Boom auf dem Büchermarkt auslöst, hat sie bestimmt nicht geplant, und dass Leute auf den Karren springen, ist auch kein Wunder, denn es ist schnell verdientes Geld.

      Zu den Sticoms: Natürlich sollte man über sie reflektieren, natürlich reflektiert man heute auch anders und entsprechend landet auch anderes auf dem Markt. Aber vor den paar Jahren, als diese Serien geschaffen wurden, waren die Ansprüche eben auch anders, ebenso wie das Bewusstsein für solche Dinge. Macht es sie dadurch besser? Nein, das auch nicht, aber ihr versteht sicher, was ich sagen will. Man kann Dinge immer prima als schlechtes Beispiel heran ziehen, um Dinge darauf aufbauend besser oder anders zu machen, hat man den Anspruch. Aber man sollte auch die Kirche im Dorf lassen, insbesondere wenn es um Dinge geht, die bereits in der Vergangenheit liegen. Positiv betrachtet kann man sogar darauf zurück blicken und sich darüber freuen, wie weit wir es nun heute gebracht haben ... wenn man die heutige Tendenz denn positiv sehen will.

      Und damit wären wir auch beim nächsten Punkt, nämlich das Maß.
      Wie gesagt, schwieriges Thema. Ich persönlich bin durchaus ein Verfechter der Redewendung: Du bist, was du isst. Wenn du nur Dinge konsumierst, die dir entsprechende Werte vermitteln, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es dich über kurz oder lang prägt. Dafür muss man auch keine klugen Studien heranziehen oder verstehen können, denn so funktioniert der Mensch nunmal schon seitdem er auf der Erde ist - wir lernen schon die essenziellsten Dinge durch Nachahmung und durch Vorbilder, sind Gewohnheitstiere und passen uns gerne an, um ein möglichst angenehmes Leben zu haben. Und wenn unser Leben doch nicht so angenehm ist, dann entfliehen wir auch mal gerne in Luftschlösser, in Unterhaltung, die uns verschiedene Medien bieten.
      Dabei darf man nicht vernachlässigen, dass unser Medienkonsum heutzutage umfangreicher ist, als jemals zuvor. Ein gesundes Maß ist für mich deshalb auch fast schon wichtiger als nur die Perspektive.
      Quantitativ bedeutet dieses Prinzip offensichtlich, wie viel wovon ich in mich reinstopfte. Dass McDonalds nicht gesund und Fastfood ist, dafür braucht es längst keine große Aufklärung mehr. Auch sollte jedem bewusst sein, dass "große" Serien, Medien, etc. wie eben solche Sitcoms, billige Beststeller ala Fifty Shades und Twilight, ebenso wie MCU, Disney, und auch wenn um Games und Animes geht, der ganze generische, sexistische Waifu-Kram genauso Fastfood ist, nur eben medial. Es ist für die breite Masse gemacht, bewusst nicht zu komplex, bewusst nicht zu aneckend, bewusst oberflächlich in vielen Aspekten. Und was soll man da sagen außer ... "Überraschung?" Natürlich gehört eine gewisse Medienkompetenz dazu, Teilaspekten solcher Medien auf den Zahn zu fühlen. Aber grundsätzlich zu erkennen, was davon grad Fastfood ist, und was für Geist und Körper eher gesünder, ist wie auch Karl der Heinz schon anmerkte, gewissermaßen auch eine Frage der Erziehung, der Sozialisation und des Zeitgeistes, zuletzt Teil der Verantwortung von Erziehungsberechtigten und Auszubildenden, ebenso aber Eigenverantwortung, sobald man in einer Alter kommt, diese auch selbst zu tragen.
      Und solange sich eine Gesellschaft nicht als Ganzes gegen ihr geliebtes "Ficken und Pommes" (pardon für die Wortwahl) wehrt und nur noch hochqualitative, woke und bildungskorrekte Inhalte produziert und zulässt, wird sich auch nichts daran ändern, dass solche Dinge bereitgestellt und von der breiten Masse bereitwillig konsumiert werden.
      Und es ist auch vollkommen Ok, mal nen Burger zu essen, und sich mal inhaltslosen Müll in die Rübe zu kippen. Ein Mensch kann auch nicht 24/7 nur aufnahmebereit und scharfsinnig sein. Man sollte halt auf die Menge und Routine achten, soweit es irgendwie geht. Und das ist am Ende jedem (erwachsenen) Menschen selbst überlassen. Ich halte nicht viel davon, im Internet Social-Justice Warrior zu spielen oder jeden anzukacken, der etwas anders macht, als es meinen Ansprüchen entspricht. Ich wähle da - Stichwort Maß im Eigenverhalten - auch lieber hauptsächlich den Weg des Prinzips, mit gutem Beispiel voran zu gehen, soweit ich es eben kann. Ich setze da auch sehr gerne für mich die Grenze, dass ich lediglich Menschen, die mir was bedeuten, auf den Zahn fühle, wenn ich merke, dass ihr eigener Medienkonsum ihnen zum Beispiel gesundheuitlich zu schaden droht oder sie in ihrem Wohlfinden beeinträchtigt oder negativ beeinflusst, ohne dass sie es gleich merken. Oder eben auch wenn ich merke, dass jemand, der mir eigentlich wichtig ist, mir weh tut, weil er mich z.B. ungewollt als Frau diskrimiert, ohne dass er es z.B. wirklich merkt. Solche Hinweise, Gespräche, etc. halte ich für vertretbar und nachvollziehbar und haben Mehrwehrt. Alles andere, dieses Meinungsschreien auf SM, dieses Unterdienasereiben davon, wie Woke man ist, ist für mich hingegen kaum viel mehr, als heuchlerische Selbstjustiz und Egozentrismus, durch die man aber im Ende nicht viel besser macht, außer sich selbs das Gefühl zu geben, dass man es besser macht. Und wie ihr seht, schließt sich da auch schon wieder der Kreis. :goro:
    • Interessantes Thema und auch interessant wie vielfältig man an "Romantikdarstellung in Medien" herangehen kann. Beim Titel lesen dachte ich zwar nicht zuerst an Filme/Serien aber da es ein Schwerpunkt geworden ist, würde ich gerne einen tollen Kanal empfehlen, an dem ein Paartherapeut zusammen mit einem Regisseur arbeitet:
      youtube.com/c/CinemaTherapySolutions
      Hier findet man auch Medien mit 'richtigen' (wobei ich diese Bewertung aus dem Thema-Titel lieber vermeiden möchte und lieber 'konstruktiv' anstatt dessen benutze) - also konstruktiven - Beziehungen, die grade jüngere / unerfahrenere Menschen als Vorbild benutzen können.
      :rito: “Mut ist nicht die Abwesenheit von Furcht. :rito:
      Mut bedeutet die Angst, den Zweifel, die Unsicherheit zu fühlen,
      und zu entscheiden, dass etwas anderes wichtiger ist.”

      Mark Manson